Über Angst reden

Ein Raum für jüdisches Unbehagen in Deutschland

(Veranstaltung für jüdische FLi*nt* Personen; Online-Veranstaltung)

26. März 2021
19 Uhr

Anmeldung unter: ueberangstreden [at] gmail.com

Die Frage „Wie geht es uns eigentlich in diesem Land?“ ist für viele Jüd:innen ein komplexes Thema. Aber eines, dass kaum verbalisiert werden kann, ohne den Beigeschmack von „Hab Dich doch nicht so“. Jüd:innen erleben häufig, dass öffentlich geäußerte Gefühle der Bedrohung, des Ungewolltseins, der ständigen Reibung mit Reaktionen quittiert werden, die diese entweder relativieren oder als Gespenster der Vergangenheit/Einbildung delegetimieren.

Nach Halle hat zumindest ein Teil der deutschen Bevölkerung kurz verstanden, warum Jüd:innen die Luft anhalten, doch auch hier mangelte es an einem tieferen Verständnis jüdischer Lebensrealitäten in Deutschland. Für viele Jüd:innen war Halle ein Einschnitt, für etliche war es jedoch nur eine Eskalation dessen, was schon vorher das Atmen manchmal schwer gemacht hat.

  • Diese Erfahrung, genauso wie die Morde in Hanau, der neue Aufschwung antisemitischer Verschwörungstheorien und später der Sturm auf den Reichstag waren Anlässe diesen Raum zu schaffen.
Koffer mit offener Sicherheitsnadel

„Über Angst reden“ war zu Anfang geplant als Raum in dem Jüd:innen sich ohne Verurteilung und Rechtfertigung über die eigen Ängste in diesem Land auszutauschen können. Doch schon jetzt ist es viel mehr: ein Raum in dem Jüd:innen (FLi*nt*) über ihre Ängste, Sorgen, aber auch über ihren Frust, Alltagserfahrungen, Identität(en) und (jüdische) Unsicherheiten im Deutschen Kontext miteinander ins Gespräch kommen, sich austauschen und empowern. Ohne Bewertung wie rational oder irrational diese angeblich sind. Ein Raum, in dem wir aussprechen können, was uns besorgt, ängstigt, nachts nicht schlafen lässt, uns wütend, hilflos oder sprachlos macht. Worüber wir nachdenken, was uns beschäftigt, worum unsere Gedanken kreisen. Wie wir uns fühlen, was uns beklemmt, was uns umtreibt und erschreckt.

Die Treffen finden seit September – inzwischen unter dem Namen „Tsuris & Tseshmettern“ (Tsuris: Probleme, Sorgen, Ärger, Kummer, Leiden, Trauer oder Herzschmerz, Tseshmetter: etwas zerschmettern, in Stücke schlagen) monatlich statt. Unter dem Titel „Über Angst Reden“ laden wir weiterhin in regelmäßigen Abständen öffentlich ein. Was nicht bedeutet, dass die anderen Treffen in irgendeiner Weise exklusiv sind. Es hat sich im Laufe der Zeit nur herausgestellt, dass es auch für Menschen die neu hinzukommen manchmal ganz hilfreich ist, wenn im Laufe von ein, zwei Treffen etwas Routine und Vertrauen aufgebaut werden kann, bevor die Gruppe sich wieder koplett neu zusammen setzt. Generell steht der Raum aber zu jeder Zeit allen jüdischen FLi*nt* Personen offen, unabhängig der öffentlichen Einladungen.

Dies ist kein psychologisches Angebot. „Über Angst reden“/“Tsuris & Tseshmettern“ soll ein Raum sein, in dem Jüd:innen unter sich frei über ihre Erfahrungen und Gefühle, Sorgen und Gedanken bezüglich ihres Lebens in Deutschland sprechen können. Der Gesprächsraum ist ein Experiment aus meinem eigenen Bedürfnis heraus ohne Hemmungen und Bewertungen mit anderen Jüd:innen in den Austausch über jüdisches Erleben und jüdische Gedanken, jüdische Ängste und jüdische Gefühle im Deutschland der Gegenwart treten zu können.

Als Jüd:innen werden in diesem Raum nicht nur Menschen angesprochen, die nach halachischer Auffassung jüdisch sind. Ganz im Gegenteil. Tsuris & Tseshmettern soll besonders auch jenen Jüd:innen Raum bieten, die in dieser Gesellschaft sonst selten als Jüd:innen anerkannt werden, weil sie bspw. einen jüdischen Vater haben oder weit entfernt jüdischer Traditionen aufgewachsen sind. Menschen mit jüdischen Wurzeln als Jüd:innen zu bezeichnen ist ein Politikum, aber keinesfalls missionarisch gemeint. Mir war und ist es wichtig eine Selbstverständlichkeit darin zu entwickeln, dass auch Menschen diese Identität und Bezeichnung für sich annehmen dürfen, die gelernt haben, dass es für sie angeblich nicht okay ist. Dass soll aber keine halachischen, wissens- oder familien-politischen Standards setzen.

Bei Tsuris & Tseshmettern kommen Jüd:innen zusammen , sie sehr unterschiedlich in Deutschland aufgewachsen sind. Tsuris & Tseshmettern versteht sich explizit auch als Raum für Jüd:innen, die ohne Bezug zum Judentum aufgewachsen sind, die sich als Menschen mit jüdischen Wurzeln bezeichnen und eben oft keinen Raum in anderen jüdischen Zusammenhängen finden, weil die Angst nicht genug zu wissen oder zu können oder nicht jüdisch genug aufgewachsen zu sein, das zu unsicheren Räumen oder sie scheinbar zu fremden macht. Viele verstehen Judentum nicht als Religion, sondern als Teil unserer Familiengeschichte(n), Position innerhalb dieser Gesellschaft, Teil der eignen komplizierten Identität in Deutschland. Wir sind keine religiöse Gruppe und viele sind weit weg von den Gemeinden, ohne jüdisches Irgendwas, mit Weihnachten und viel Schweigen aufgewachsen. Manche von uns irgendwo dazwischen. Manche näher dran. Unsere Realität in Bezug zum Judentum sind sehr unterschiedlich. Unsere Erfahrungen als Jüd:innen in Deutschland oft sehr ähnlich.

Der Gesprächsraum ist offen für jüdische Frauen, Lesben, inter* Personen, nicht-binäre Personen und trans* Personen (FLi*nt*) und wird vermutlich auf deutscher Lautsprache stattfinden.
Online-Plattform: jitsi (Teilnahme per Webbrowser möglich, keine Installation notwendig)

Facebook: https://fb.me/e/ccBHo4Qxu

—————————— Vergangene Treffen ——————————

Ein Raum für jüdisches Unbehagen in Deutschland

(Veranstaltung für jüdische FLINT; Online-Veranstaltung)

13. November 2020
19 Uhr

Ein Raum für jüdisches Unbehagen in Deutschland

(Veranstaltung für jüdische FLINT; Online-Veranstaltung)

25. September 2020
18 Uhr

„Über Angst reden“ soll ein Raum für Jüd:innen (FLINT) sein, sich ohne Verurteilung und Rechtfertigung über die eigen Ängste in diesem Land auszutauschen. Ohne Bewertung wie rational oder irrational diese angeblich sind. Ohne das Gefühl haben zu müssen, wir seien die ewig gestrigen, die nicht über die Vergangenheit dieses Landes hinweg kommen. Ein Raum, in dem wir aussprechen können, was uns besorgt, ängstigt, nachts nicht schlafen lässt. Worüber wir nachdenken, was uns beschäftigt, worum unsere Gedanken kreisen. Wie wir uns fühlen, was uns beklemmt, was uns umtreibt und erschreckt.

Dies ist kein psychologisches Angebot. „Über Angst reden“ soll ein Raum sein, in dem Jüd:innen unter sich frei über Ängste, Sorgen und Gedanken bezüglich ihres Lebens in Deutschland sprechen können. 
Der Gesprächsraum ist ein Experiment aus meinem eigenen Bedürfnis heraus ohne Hemmungen und Bewertungen mit anderen Jüd:innen in den Austausch über jüdisches Erleben und jüdische Gedanken, jüdische Ängste und jüdische Gefühle im Deutschland der Gegenwart treten zu können.

Der Gesprächsraum ist offen für Frauen, Lesben, inter* Personen, nicht-binäre Personen und trans* Personen (FLINT) und wird vermutlich auf deutscher Lautsprache stattfinden.

Online-Plattform: jitsi (Teilnahme per Webbrowser möglich, keine Installation notwendig)

Facebook: https://bit.ly/2DjRvxC


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